Abruzzen

Östlich von Rom liegen die über 33.000 ha Rebfläche umfassenden Abruzzen mit den drei DOC Controguerra, Montepulciano d’Abruzzo und Trebbiano d’Abruzzo. Den weitaus größeren Produktionsanteil stellen allerdings die unkomplizierten Tafelweine (Vini da Tavola). Der Weinbau kam mit den Etruskern, die den köstlichen Trank zur Stärkung ihrer Soldaten erzeugten. Die Reben wachsen in bis zu 600 m Höhe an den Ausläufern der Apenninen. Große Temperaturunterschiede zwischen Sommer/Winter, Tag/Nacht fördern die Rebgesundheit und optimale Reife der Trauben, die dabei zugleich eine gute Säure bewahren können. Favorit unter den Rotweinsorten ist Montepulciano gefolgt von Barbera, Ciliegiolo, Merlot und Pinot Nero. Die häufigsten Weißweinsorten sind Trebbiano und Malvasia (mit verschiedenen Varianten) neben autochthonen Sorten wie z.B. Cococciola, Montonico Bianco oder Passerina.

Apulien

Knapp ein Sechstel aller italienischen Weine kommen aus Apulien, dem „Weinkeller Italiens“ und einem der ältesten Weinbaugebiete der Welt. Schon vor 3.000 Jahren pflanzten Phöniker und Griechen Rebstöcke in der Region, die Sporn und Absatz des italienischen Stiefels bildet. Auf der riesigen, weit über 100.000 ha großen Anbaufläche wachsen die vielfältigsten Rebsorten, von denen 80 % rot und viele autochthon sind. Zu den wichtigsten Trauben zählen Negroamaro, Primitivo, Sangiovese, Bombino Nero, Montepulciano oder Uva di Troia sowie die weißen Sorten Trebbiano, Bombino Bianco und Moscato di Trani (mit eigener DOC). Auch wenn die 25 apulischen DOC auch heute noch keine 4 % der Gesamtproduktion erzeugen: das Preis-Qualitätsverhältnis der Weine zieht unaufhaltsam an.

Emilia-Romagna

Neben roten Edelflitzern und kulinarischen Köstlichkeiten bietet die Emilia-Romagna zwischen Po und Toskana knapp 60.000 ha Rebfläche. Während die Emilia für perlende Rot- und Roséweine aus Lambrusco bekannt ist, werden in der Romagna vorwiegend kraftvolle Rotweine aus Sangiovese erzeugt. Zwei Drittel der Rebflächen liegen in der Po-Ebene, als bestes Anbaugebiet gilt die hügelige Landschaft am Fuß der Apenninen. Die häufigsten weißen Sorten sind Trebbiano (Romagnolo und Toscano), Malvasia di Candia, Moscato, Ortrugo und Sauvignon Blanc. Unter den roten Trauben liegen Sangiovese, Barbera, Bonarda und Lambrusco vorn, während in den Appellationen Colli Bolognesi und Monte San Pietro exzellente Qualitäten aus Merlot, Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon entstehen. Die 19 DOC plus eine DOCG1 (Albana di Romagna – mit einem Weißwein aus der gleichnamigen Rebsorte) liefern etwa 15 % der Gesamtproduktion.  1 Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ =  kontrollierter und garantierter Ursprung = höchste italienische Wein-Qualitätsstufe

Friuli-Venezia-Giulia

Friaul, im äußersten Nordosten Italiens mit Grenzen zu Österreich und Slowenien, ist aus der römischen Kolonie Alquileia entstanden. Ihre Grenzlage setzte die Region häufig wechselnden Landesherren aus, die auch den Weinbau nachhaltig beeinflussten. So wachsen heute neben heimischem Tocai Friulano, Ribolla, Malvasia, Verduzzo, Picolit oder Refosco auch Riesling, Traminer, Müller-Thurgau, Blaufränkisch (über Österreich), Chardonnay, Pinot, Sauvignon Blanc, Merlot oder Cabernet Sauvignon (über die Habsburger). Rund 50 % der Produktion entfallen auf DOC/DOCG1-Weine, wobei eine außergewöhnliche Vielzahl sortenrein ausgebaut wird. Noch bis Mitte der 1960er Jahre wurde 80 % Rotwein bereitet. Mit der Einführung moderner Weinbautechniken (z.B. kühle Vergärung), entwickelte sich das Friaul jedoch rasch zum Zentrum frischer, fruchtbetonter Weißweine, die bis heute als die Besten Italiens gelten.  1 Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ =  kontrollierter und garantierter Ursprung = höchste italienische Wein-Qualitätsstufe.

Latium

Rund um Rom liegen die gut 100.000 ha Rebfläche der Region Latium. In der Antike war die Region Wein- und Speisen-Lieferant der „ewigen Stadt“, die sie z.B. mit Caecuber- und Falerner-Weinen oder den Vorgängern des Frascati versorgte. Das an der Küste heiße, trockene Klima wird im Landesinnern zunehmend kühler und feuchter. Reben wachsen fast überall, außer in den Apenninen. Von rund 200 zugelassenen, teils noch antiken Sorten ist heute ein Dutzend bedeutend. Knapp ein Sechstel der Weine hat DOC-Status, gut 85 % sind weiß, meist aus Malvasia und Trebbiano, wobei der größte Teil aus dem 6.700 ha großen Gebiet Castelli Romani stammt. Unter den roten Sorten dominiert der heimische Cesanese. Daneben entstehen mitunter feinste Qualitäten aus Cabernet/Merlot Verschnitten. Bekannte DOC sind Cerveteri, Est! Est!! Est!!! Frascati, Marino, Orvieto und Orvieto-Classico (beide auch Umbrien).

Marche

Die rund 25.000 ha Rebland der Marken erstrecken sich östlich von Umbrien entlang der Adriaküste. Der Legende nach soll der berühmte weiße Verdicchio die Truppen des Westgotenkönigs Alarich beim Zug gegen Rom gestärkt haben, während Hannibal die müden Pferde seines Heeres mit rotem Conero-Wein aufgepäppelt habe. Das Klima ist gemäßigt, je nach Gebiet kontinental bis mediterran. Die Weinberge liegen an den Hängen und bringen etwa je zur Hälfte Weiß- und Rotweine hervor. Lieblingstrauben im Latium sind Verdicchio, Trebbiano, Pinot Bianco/Grigio, Malvasia, Montepulciano, Sangiovese, Lacrima die Morro und Vernaccia Nera, der zu rotem Vernaccia di Serrapetrona-Schaumwein gekeltert wird. Übrigens stammen aus Marken auch die Vorfahren drei berühmter Winzerfamilien, die in Übersee bedeutende Weinbauimperien gründeten: Catena (Argentinien), Gallo und Mondavi (Kalifornien).

Piemont

„Am Fuß der Berge“ (Piemonte) liegt Italiens größte Dachappellation mit über 50 DOC/DOCG1 (darunter Asti, Barbaresco, Barolo oder Gavi). Die Gesamtrebfläche umfasst rund 60.000 ha, fast 70 % der piemontesischen Weinproduktion entfallen auf Qualitätsweine. Neben Asti, Carema, Canavese, Caluso, den Vercelli- und Novara Bergen gelten die Hänge von Montferrato und Langhe als beste Lagen. Hier reifen die Nebbiolo Trauben für zwei der ganz großen Rotweine Italiens: Barolo und Barbaresco. Leichter, doch nicht minder beliebt ist der eher jung zu trinkende, fruchtbetonte Dolcetto, der stetig an Profil gewinnt. In Asti entstehen die Moscato-Schaumweine, in Gavi der exzellente, fruchtig-aromatische weiße Cortese und auch autochthone Sorten wie Arneis oder Favorita legen zu. Junge Winzer unternehmen erste erfolgreiche Versuche mit französischem Chardonnay, Pinot Noir, Syrah, Sauvignon Blanc und Cabernet Sauvignon.  1 Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ =  kontrollierter und garantierter Ursprung = höchste italienische Wein-Qualitätsstufe.

Sizilien

Eine „Insel in kreativer Gärung“ nennt Hugh Johnson den mit rund 130.000 ha Rebfläche größten Weinproduzenten Italiens. In der Tat, Sizilien setzt verstärkt auf Qualität: Weniger Verschnittmaterial für schwachbrüstige Weine aus dem Norden, mehr Nutzung des eigenen Potenzials. Wenn die DOC-Weine dennoch kaum 3 % der Produktion ausmachen, ist dies oft der größeren Flexibilität der IGT geschuldet und bedeutet nicht zwangsläufig mindere Qualität. Süßweine sind seit der Antike eine Inselspezialität. Der Marsala allerdings ist eine spätere „Erfindung“ des englischen Kaufmanns  Woodhouse (1773). Unter den weißen Rebsorten führt Catarratto, gefolgt von Inzolia, Grillo und Chardonnay. Bei den roten Trauben liegt Nero d’Avola vorn, doch auch Perricone, Nerello, Frappato (im DOCG1 Wein Cerasuolo di Vittoria) und die dem Nero d’Avola ähnliche Syrah sind im Kommen.  1 Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ =  kontrollierter und garantierter Ursprung = höchste italienische Wein-Qualitätsstufe.

Toscana

Die berühmte Florentiner Familie Medici förderte nicht nur Kunst und Wissenschaft, sie hinterließ auch im Weinbau ihre Spuren, etwa mit der Einführung neuer Rebsorten (darunter die „Uva Francesca“ Cabernet Sauvignon) und der Festlegung der Anbaugebiete Carmignano, Chianti, Pomino und Val d´Arno di Sopra, die damit zu den ersten amtlichen Herkunftsbezeichnungen Europas zählen. Baron Ricasoli definierte im 19. Jahrhundert die (inzwischen veränderten) strengen Regeln für die Chianti-Erzeugung. Ungewollt trug er damit auch ein wenig zur Einführung der IGT2 (1992) bei, mit der nicht-DOC-konforme, als Vino da Tavola deklarierte Kreationen wie Tignanello, Ornellaia oder Solaia in eine regionale Zwischenstufe erhoben wurden. Heute bilden diese Supertoskaner längst eine elegante Klasse für sich. Interessant ist die Entwicklung der Rebflächen rund um Bolgheri, die immer mehr Investoren unter großen italienischen Produzenten wie Antinori, Castello di Querceto, Frescobaldi oder Ricasoli finden.  2Indicazione Geografica Tipica – entspricht etwa dem frz. Vin de Pays.

Trentino – Alto Adige

Die gut 12.000 ha Reben der Doppelregion verteilen sich auf das überwiegend italienischsprachige Trentino im Süden (rund 7.100 ha) und das eher deutschsprachige Alto Adige (dt. Obere Etsch) oder Südtirol im Norden (rund 5.000 ha). Die so genannte Salurner Klause der Etsch bei Salerno trennt die historisch sehr unterschiedlichen Bereiche, die allerdings beim Weinbau einige Gemeinsamkeiten erkennen lassen: Beide bilden die Spitze der Qualitätsweinbaugebiete Italiens mit einer als DOC registrierten Rebfläche von über 70 % (Trentino) bis 90 % (Südtirol). In beiden Regionen wird mehrheitlich Rotwein angebaut, im etwas wärmeren Trentino etwa drei Viertel, meist aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Marzemino, Teroldego oder Lambrusco, in Südtirol zwei Drittel, meist aus autochthonen Sorten wie Vernatsch und Lagrein. Bei den Weißweinen dominieren in beiden Regionen Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder sowie Müller-Thurgau, dazu im Trentino auch Goldmuskateller, in Südtirol Riesling und Traminer.  Das Trentino zählt übrigens zu den führenden Schaumweinerzeuger Italiens - streng überwacht von der Spumante-Trento-Classico-Gruppe.

Umbrien

Im Schatten des berühmten Nachbarn Toskana bewegt sich einiges. Etwa in dem 16.500 ha Rebland umfassenden Umbrien, das als eine der wenigen Regionen Italiens nicht ans Meer grenzt. Weinbau gab es bereits vor den Römern, eben unter den Umbriern, die der Region damit mehr als nur ihren Namen hinterließen. Zwischendurch war es lange Zeit still um den Wein, doch spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgte ein engagierter Neubeginn. Heute dominiert der Rotwein die Rebpflanzungen mit Sorten wie Sagrantino, Sangiovese, Ciliegiolo Nero, Canaiolo Nero und Montepulciano vor weißem Grechetto, Trebbiano Toscano (Procanico) und Verdello. Allein der schon seit Jahrhunderten produzierte Orvieto (ein kleiner Teil der Appellation liegt auch im angrenzenden Latium) macht rund zwei Drittel der DOC-Produktionsmenge aus.

Veneto

Im Hinterland von Venedig liegt das mit über 75.000 ha Rebland drittgrößte Weinbaugebiet Italiens. Schon die Etrusker schätzten die üppige Weinlandschaft, die ihre Blütezeit im 15. Jahrhundert erlebte, als die Schiffe der „Serenissima“ das Meer beherrschten. Unter den Rebsorten führt heute die weiße Garganega, gefolgt von Pinot Bianco, Trebbiano und natürlich der Schaumweintraube Prosecco (der „Prototyp“ stammt aus der DOC di Conegliano-Valdobbiadene). Bei den roten Sorten liegen Corvina Veronese, Corvinone, Rondinella und Molinara vorn, aber auch französischer Cabernet, Merlot und Chardonnay legen zu. Die große Vielfalt der Region bezeugen über 115.000 Weingüter, die im Schnitt kaum 1 ha Rebland besitzen und rund 100 verschiedene Weintypen hervorbringen. Einer der bedeutendsten Erzeuger ist das Familienunternehmen Masi. Rund ein Viertel der venezianischen Weine haben DOC-Status (berühmt sind Bardolino, Valpolicella und Soave).  Verona, die auch für ihre Opernfestivals bekannte Stadt im Herzen Venetiens, lädt alljährlich zur Weinmesse „Vinitaly“.

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